Montag, 26.01.2026

Wiesbaden zeichnet russische Menschenrechtlerinnen und zwei Lebensretter aus

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Im Festsaal des Wiesbadener Rathauses wurden am 23. Januar mehrere Auszeichnungen für Zivilcourage und Bürgermut verliehen. Die Stadt ehrte mit dem Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage 2025 die russische Historikerin und Publizistin Dr. Irina Scherbakowa sowie die Aktivistin Julia Nawalnaja. Den Preis für Bürgermut 2025 erhielten die Wiesbadener Johann Zernickel und Andrej Belosludov.

Preisträgerinnen des Preises für Zivilcourage

Dr. Irina Scherbakowa wurde für ihre langjährige Arbeit als Gründungsmitglied der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial ausgezeichnet. Die Historikerin setzt sich nach Angabe der Stadt für die Aufarbeitung der Verbrechen der sowjetischen politischen Gewaltherrschaft ein und werde als Sprachrohr der Freiheitsbewegung in Russland bezeichnet. Seit Juli 2022 lebt Scherbakowa im Exil in Deutschland, nachdem sie ihr Heimatland verlassen hatte.

Julia Nawalnaja wurde für die Unterstützung ihres Mannes, des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, und für ihr eigenes politisches Engagement geehrt. Die Stadt hob hervor, dass sie sich unter Bedrohung von Freiheit und Leben für die Werte der UN Menschenrechtscharta einsetzt und den politischen Kampf ihres Mannes fortführt.

Der Ludwig-Beck-Preis wird an Menschen, Institutionen oder Vereinigungen aus aller Welt vergeben, die sich in besonderer Weise für das Allgemeinwohl, das friedliche Zusammenleben, soziale Gerechtigkeit sowie die Prinzipien von Demokratie und Rechtsstaat einsetzen. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert. Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende betonte bei der Verleihung, Zivilcourage beginne oft im Zweifel und im Risiko und verlange, hinzuschauen. Er verband die Preisvergabe mit Erinnerung und Verantwortung in der Geburtsstadt Ludwig Becks.

Preis für Bürgermut für eingreifende Nachbarn

Mit dem seit 2011 vergebenen Preis für Bürgermut würdigt Wiesbaden Menschen aus der Stadtgesellschaft, die sich in besonderer Weise für andere eingesetzt haben. Die mit 2.500 Euro dotierte Auszeichnung 2025 ging an Johann Zernickel und Andrej Belosludov. Vorgeschlagen wurden die beiden Männer vom damaligen Polizeipräsidenten von Westhessen, Felix Paschek.

Im April 2024 griffen Zernickel und Belosludov ein, als eine Nachbarin von einem Messerangreifer lebensgefährlich verletzt wurde. Nach Darstellung der Stadt zog Zernickel den Angreifer von der Frau weg und hielt ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Belosludov sicherte das fallengelassene Messer und leistete Erste Hilfe. Die schwerverletzte Nachbarin wurde nach Eintreffen von Polizei und Rettungsdienst operiert und erfolgreich versorgt.

Oberbürgermeister Mende würdigte das spontane und lebensrettende Eingreifen als Beispiel dafür, wie alltäglicher Mut das Zusammenleben stärke. Björn Gutzeit, Präsident des Polizeipräsidiums Westhessen, beschrieb die ausgezeichneten Taten als leise und unmittelbare Handlungen von unschätzbarem Wert für die Gesellschaft. Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr betonte, dass Zivilcourage und Bürgermut unsere Aufmerksamkeit und Solidarität verdienten und nannte insbesondere das Schicksal der Preisträgerinnen des Ludwig-Beck-Preises Grund für Mitgefühl und Unterstützung.

Die Verleihungen im Rathaus wurden von Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr vorgenommen. Die Stadt stellte die Auszeichnungen als Ausdruck eines kommunalen Verständnisses von Erinnerung, Verantwortung und Haltung dar.

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