Der Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden hat in seiner Sitzung am 13. Januar fünf Maßnahmen beschlossen, mit denen die städtische Radinfrastruktur ausgebaut werden soll. Ziel ist laut Verwaltung eine bessere Anbindung an Nachbarstädte, mehr Sicherheit im Straßenraum und eine höhere Alltagstauglichkeit des Fahrrads als Verkehrsmittel.
Radschnellverbindung nach Mainz und erste Bauabschnitte
Für die Radschnellverbindung zwischen Wiesbaden und Mainz ist der erste Abschnitt zwischen Klingholzstraße und Theodor Heuss Ring vorgesehen. Die Kosten für diesen Abschnitt werden mit rund 900 000 Euro beziffert. Es wird erwartet, dass etwa 70 Prozent der Summe aus Landesmitteln finanziert werden. Das Projekt ist Teil einer Zusammenarbeit mit der Stadt Mainz und war in einer landesweiten Potenzialstudie als aussichtsreich bewertet worden.
Baumaßnahmen sollen mit Vorhaben der Entsorgungsbetriebe abgestimmt werden. Nördlich des Hauptbahnhofs plant die ELW einen Bau und einen Wartungsweg für einen neuen Hauptsammler. Dieser Weg soll asphaltiert und zugleich als Radschnellverbindung mitgenutzt werden. Nach Angaben der Verwaltung bleibt die Trasse mit einem möglichen Betrieb der Aartalbahn kompatibel.
Vorzugsvariante für Radschnellverbindung nach Frankfurt
Die Magistratsvorlage zur Radschnellverbindung Wiesbaden und Frankfurt nimmt die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2020 auf. Demnach verkürzt eine leistungsfähige Radroute die Fahrzeiten um bis zu 26 Prozent und verbessert den Fahrkomfort. Etwa zehn Kilometer der Strecke liegen im Wiesbadener Stadtgebiet.
Der Magistrat hat eine so genannte Vorzugsvariante beschlossen. Mit diesem Beschluss sollen die nächsten Planungsschritte, Sicherung von Grundstücken und Förderanträge in Abstimmung mit dem Regionalverband FrankfurtRheinMain und den beteiligten Kommunen vorbereitet werden. Vergleichbare Entscheidungen werden derzeit auch in den Nachbarstädten eingebracht.
Umnutzung einer stillgelegten Bahntrasse und neue Fahrradstraße
Auf der ehemaligen Bahntrasse zwischen An der Käßmühle und Mittelpfad ist eine neue, abseits des Straßenverkehrs verlaufende Radverbindung geplant. Die Maßnahme ist Teil der Radschnellverbindung nach Frankfurt und soll die Berliner Straße entlasten. Die Baukosten werden mit 712 000 Euro angegeben und sollen aus Fördermitteln des Landes Hessen gedeckt werden. Die natur und landschaftsschutzrechtliche Genehmigung steht nach Angaben der Stadt noch aus. Ein Baubeginn ist für die kommenden Jahre vorgesehen.
Innerstädtisch ist in der Rüdesheimer Straße zwischen Kaiser Friedrich Ring und Loreleiring die Einrichtung einer Fahrradstraße geplant. Die neue Führung verbindet sich direkt mit der geplanten Fahrradstraße in der Adelheidstraße und soll eine Lücke im Radnetz schließen. Die Umsetzung wird mit 35 000 Euro aus dem städtischen Garagenfonds gefördert. Die Stadt erwartet, dass dadurch Durchgangsverkehr reduziert und die Verkehrsführung für Radfahrende übersichtlicher wird.
Neuaufteilung des Theodor Heuss Ring und Finanzierungsrahmen
Auf Wunsch des Ortsbeirats Wiesbaden Südost soll der Straßenraum entlang des Theodor Heuss Ring neu aufgeteilt werden, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Geplant sind unter anderem Radfahrstreifen, Schutzstreifen oder zusätzliche Flächen zugunsten des Radverkehrs sowie verbreiterte Gehwege. Die vorgesehenen Maßnahmen sollen die Überquerung der Gleisanlagen verbessern. Die Kosten werden mit 192 000 Euro angegeben und sollen aus dem Programm Radwege finanziert werden.
Verkehrsdezernent Andreas Kowol wies darauf hin, dass das Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel an Bedeutung gewinne. Der Anteil des Radverkehrs bei Fahrten zur Arbeit habe sich verdoppelt. Insbesondere das E Bike habe längere Strecken attraktiver gemacht. Nach Aussage der Verwaltung reagieren die Projekte auf diese Entwicklung und sollen Schritt für Schritt ein durchgängiges Radnetz schaffen.
Weitere Vorhaben und Verfahrensschritte
Die Vorlagen der Verwaltung gehen nun zur Beratung in die Ortsbeiräte und gegebenenfalls in den Mobilitätsausschuss und die Stadtverordnetenversammlung. Jede Vorlage enthält fachliche, finanzielle und rechtliche Bewertungen. Mit einem Beschluss wird der Weg für weitere Planungen, Umsetzungen und Förderanträge frei.
Für 2026 kündigt das Verkehrsdezernat weitere Projekte an. Größtes Vorhaben ist die so genannte Kaiserspindel als stufenlose Verbindung über den Rhein nach Mainz. Zudem sind Markierungen für Radstreifen in der Seerobenstraße, die Einrichtung einer Fahrradstraße in der Adelheidstraße und der Umbau eines Knotenpunkts mit der Wörthstraße zu einem Minikreisel vorgesehen.
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